Was
bedeutet Halal?
Linguistisch
Halal ist ein arabisches Wort, das von der dreikonsonantigen Wortwurzel h-l-l
abgeleitet wird. Die linguistische Bedeutung von Halal ist "das
Zulässige, Erlaubte und Gestattete". Das Gegenteil von Halal
ist Haram, was linguistisch für "das Unzulässige, Verbotene
und nicht Gestattete" steht.
Islamologisch
Als Fachbegriff der Islamologie umfasst Halal alle Dinge und Handlungen, die aus
islamischer Sicht gestattet, zulässig und islam-konform sind. Für die
Beachtung der Halal-Normen wird Belohnung von ALLAH (ta'ala) sowohl im Jenseits
als auch im Diesseits erwartet.
Im Gegenzug zu Halal umfasst Haram islamologisch schari’a-spezifisch alle
Dinge, die der Islam den Muslimen verboten hat. Für die Nichtbeachtung der
Haram-Normen wird Bestrafung von ALLAH (ta'ala) sowohl am Jüngsten Tag als auch
im Diesseits erwartet.
Im Grenzbereich zwischen Halal und Haram gibt es eine Grauzone, die Makruh
genannt wird. Der islamologische Fachbegriff Makruh (linguistisch: verpönt,
unerwünscht) umfasst alle Dinge, die nicht ausdrücklich verboten sind, jedoch
Richtung Haram tendieren. Auch diese Grauzone gilt es für Muslime
vorsichtshalber zu meiden.
Die islamische Philosophie bezüglich Halal und Haram basiert auf dem Grundsatz,
dass der Mensch als vernunftbegabtes Geschöpf mit einem freien Willen
ausgestattet ist und deshalb Verantwortung für sein Handeln im Diesseits und im
Jenseits zu tragen hat. Der individuelle Umgang mit Verantwortung reflektiert
sich unter anderem in der bewussten und freiwilligen Beachtung des Normenkodex für
Halal und Haram.
Muslime verstehen die islamische Lebensweise als Prüfung, der sie von ALLAH
(ta'ala) unterzogen werden und deren Bestehen oder Nicht-Bestehen Folgen im
Jenseits hat. Durch das Halal- und Haram-Prinzip lernt der Mensch, seine
niederen Instinkte bewusst und gezielt zu kontrollieren und seine Neigungen
durch den Einsatz der Vernunft zu zügeln. Muslime richten ihr gesamtes Leben
und Handeln nach den Vorgaben des allwissenden, allgnädigen Schöpfers und
nicht nach dem oft ungerechten und wechselhaften Gutdünken der fehlbaren Geschöpfe.
Der Islam ist eine Lebensweise, die alle Bereiche des menschlichen Daseins
umfasst und regelt und deshalb auch Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat.
Die Beachtung der Halal-Gebote durch Muslime ist somit obligatorisch nicht nur
im bekannten Bereich Ernährung (Schweinefleisch- und Alkoholverbot), sondern
ebenso im Bekleidungs-, Sozial-, Erziehungs- und Bildungssektor, im Bereich
Wirtschaft und Finanzen (Vertragswesen, Bankgeschäfte, Versicherungen, etc.)
und allen anderen Ebenen.
Muslime unterwerfen sich freiwillig dem von ALLAH (ta'ala) gesetzten
Normenkodex und somit ihrem Schöpfer ALLAH (ta'ala), sie geben sich hin und
handeln entsprechend SEINEN Richtlinien, und genau dies ist Islam.
Muslime verstehen das Halal-Haram-Prinzip nicht als Einschränkung ihrer
Freiheit oder reformbedürftiges Relikt einer veralteten Gesellschaftsstruktur,
sondern als zeitloses, gerechtes und immer gültiges Prinzip einer von ihrem Schöpfer
vorgegebenen gottgewollten Lebensführung. Das oberste Prinzip der Schari'a, des
islamischen Normensystems, ist "das Abwehren von Schädlichem und das Fördern
von Nützlichem".
Da ALLAH (ta'ala) alles auf dieser Erde für den Menschen erschuf, lautet die
islamische Grundregel:
"Grundsätzlich sind alle Dinge Halal.
Haram sind nur Dinge und Handlungen,
die als solche nach der Schari‘a eingestuft werden."
Ziel des Islam ist es eindeutig, den Menschen bei der Bewältigung ihres Lebens
Erleichterung zu bringen und keine Erschwernis. Dies findet seinen Ausdruck auch
innerhalb des Halal-Haram-Systems, in dem auf ausgewogene Art die Interessen und
Bedürfnisse sowohl des Individuums als auch der Gemeinschaft berücksichtigt
werden und zwar von Körper, Seele und Geist. Der Islam bringt die materielle
und spirituelle Ebene in Einklang, wobei er die diesseitigen und jenseitigen
Aspekte gegeneinander abwägt. Um dies alles zu gewährleisten, verbietet der
Islam die eigenmächtige Einschränkung von Erlaubtem (Halal) und
Spitzfindigkeiten bei der Interpretation der Gebote. Ebenso ist es strikt
untersagt, Halal für Haram zu erklären oder umgekehrt Haram als Halal zu
deklarieren.
Ihr, die den Iman verinnerlicht habt! Erklärt nicht für haram die Tay-yibat
dessen, was ALLAH euch für halal erklärte, und übertretet nicht! Gewiss,
ALLAH liebt nicht die Übertretenden. (5:87)
Sag: "Wer erklärte für haram die gepflegte Kleidung, die ALLAH für Seine
Diener hervorbrachte, und das Gute vom Rizq ?" Sag: "Diese sind für
die Mumin im diesseitigen Leben bestimmt und am Tag der Auferstehung ausschließlich
ihnen vorbehalten". Solcherart verdeutlichen WIR die Ayat für Menschen,
die wissen. (7:32)
Soziologisch und historisch betrachtet, ist die Beachtung eines Normenkodex
von Erlaubtem und Verbotenem keine islamische Besonderheit, sondern eine
gesellschaftliche Notwendigkeit, die in allen Weltanschauungen und
Glaubensgemeinschaften zu finden ist. Selbst nicht (mehr) religiös
ausgerichtete Gemeinwesen und alle anderen irgendwie gearteten
Gesellschaftssysteme basieren auf einem Prinzip von "Halal und Haram".
Im Quran wird ein Halal-Mittel als Tay-yib (Plural: Tay-yibat) bezeichnet.
Tay-yib bedeutet "gut, das Gute, gesund, das Gesunde". Haram wird dort
als Khabith (Plural: Khabaith). Khabith bedeutet "schlecht, das Schlechte,
nicht gut, das nicht-Gute". Im Quran heißt es:
ER sagte: „Mit Meiner Peinigung treffe ICH, wen ICH will. Doch Meine Gnade
umfasst alles. So werde ICH sie für diejenigen bestimmen, die Taqwa gemäß
handeln und Zakat entrichten, und für diejenigen, die den Iman an Unsere Ayat
verinnerlichen. Es sind diejenigen, die dem Gesandten, dem lese- und
schreibunkundigen Propheten folgen, über den sie bei sich in At-taurat und
Al-Indschil geschrieben finden. Er ruft sie zum Gebilligten auf, rät ihnen vom
Missbilligten ab, erklärt ihnen die Tay-yibat für halal und Khabaith für
haram und erleichtert ihnen ihre schweren Gebote und die Einschränkungen, die
ihnen auferlegt waren. Also diejenigen, die den Iman an ihn verinnerlicht, ihn
geehrt, ihm Beistand geleistet haben und dem Licht (Quran) gefolgt sind, das ihm
hinabgesandt wurde, diese sind die wirklichen Erfolgreichen." (7:156-157)
Sie fragen dich, was für sie (an Speisen) halal sei. Sag: ‚Für halal wurden
euch erklärt die Tay-yibat .. (5:4)
Sag: "Mein HERR hat jedoch nur für haram erklärt die Verwerflichkeiten -
das Offenkundige und das Verborgene davon, die bewusste Verfehlung, die
Aggressivität zu Unrecht, dass ihr ALLAH gegenüber Schirk betreibt, wozu ER
niemals eine Bestätigung offenbarte, und dass ihr über ALLAH das sagt, was ihr
nicht wisst." (7:33)
Die Parallele zu Tay-yib-Dingen findet sich auch in der deutschen Bezeichnung
"Güter". Denn der Singular von "Güter" ist
"Gut", das als Adjektiv das Schöne und Gute beschreibt und als
Nominativ das Produkt, das Ding beschreibt. Leider wird diese Bezeichnung
heutzutage nicht nur für die guten Produkte verwendet, sondern für Gutes und
Schlechtes.
Amir Zaidan / Islamologisches Institut
http://www.halal.de
|